KMU in der Transformation zur Klimaneutralität
Mit dem Europäischen Green Deal wollen die 27 EU-Mitgliedstaaten bis 2050 klimaneutral werden. Österreich gehört mit der Festlegung der Klimaneutralität bis 2040 zu den ambitioniertesten Staaten der EU und weltweit. Die Erreichung dieses Ziels erfordert eine Neuausrichtung und Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. KMU spielen eine zentrale Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralität: Sie emittieren laut OECD rund 40 % der CO2-Emissionen des Unternehmenssektors, liefern aber – etwa durch das Angebot ökologischer Produkte und Dienstleistungen – auch wesentliche Lösungen in Richtung Ökologisierung. Das Schwerpunktkapitel des vorliegenden Berichts betrachtet vor diesem Hintergrund den Status quo der österreichischen KMU in der Transformation zur Klimaneutralität sowie der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Eine Befragung unter rund 2.260 Unternehmen zeigte, dass KMU gegenüber Großunternehmen über vergleichbares Know-how in Bezug auf die Umsetzung von Maßnahmen für die grüne Transformation verfügen. Auch die Motivation, einen positiven Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten, ist in allen Unternehmensgrößenklassen ähnlich stark ausgeprägt. Konkrete Maßnahmen im Bereich des Umweltmanagements (z. B. Instrumente für die Erfassung und Senkung von Treibhausgasemissionen) sind in KMU jedoch weniger häufig und die verfügbaren finanziellen und zeitlichen Ressourcen für Transformationsmaßnahmen sind in KMU geringer als in Großunternehmen.
KMU setzen in Sachen Klimaschutz überwiegend auf die Reduktion des eigenen Energie- und Ressourcenverbrauchs, auf die Nutzung erneuerbarer Energie und auf Abfallvermeidung. Die Umstellung auf klimafreundliche Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle ist im Vergleich dazu noch etwas weniger stark ausgeprägt.
Nachhaltigkeitsberichterstattung und Offenlegungspflichten werden zunehmend auch für KMU relevant und können mit einem Anstieg des Verwaltungsaufwands verbunden sein. Gleichzeitig wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung zum Wettbewerbsfaktor für KMU, mit dem sie ihre Attraktivität als Lieferanten erhöhen und ihren Finanzierungszugang verbessern können.
Etwa 302 Maßnahmen (Anreize und Regulierungen) wurden auf Bundesebene eingeführt, um Klimaschutz in KMU stärker zu verankern. Knapp die Hälfte der Maßnahmen bieten KMU finanzielle Unterstützung in der Umsetzung von Klimaschutz.
Etwa 66 % der befragten KMU nahmen in den vorangegangenen drei Jahren mindestens eine Unterstützungsleistung (z. B. Informationsangebote, Förderungen, Netzwerke) der öffentlichen Hand zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Anspruch. Am häufigsten wurden Förderungen für Investitionen genutzt.
Zu den stärksten Einflussfaktoren auf klimabezogene Aktivitäten von KMU zählen die Entwicklungen von Energie- und Rohstoffpreisen.
Die Mehrheit der befragten KMU hält eine ambitionierte Klimapolitik und staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zur Erreichung der Klimaziele für legitim. Die Unternehmen bringen der Politik und Verwaltung jedoch überwiegend kein ausreichendes Vertrauen in Klimaschutzbelangen entgegen. Ziele und Pläne der Politik im Bereich Klimaschutz werden von den Unternehmen als wenig glaubwürdig wahrgenommen. Partei- und interessenspolitische Einflüsse sowie eine unzureichende Umsetzung von Maßnahmen in Bereichen, die als besonders wichtig empfunden werden, werden als Hauptgründe für die geringe Glaubwürdigkeit genannt.
Aus Sicht von interviewten Expert/innen konnten in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte in der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen für die grüne Transformation erzielt werden. Bei der Weiterentwicklung des politischen Instrumentariums ist vermehrt auf die Stabilität der Rahmenbedingungen, auf die Bündelung von Maßnahmen und Nutzung von Synergien, auf Unterstützungen auf überbetrieblicher Ebene und auf die Einbindung des KMU-Sektors zu achten.