Anforderungen und Potenziale von KMU:
Unternehmensphasen und Branchen im Fokus

Für einen dynamischen KMU-Sektor ist es entscheidend, die Rahmenbedingungen auf die sehr vielfältigen Unternehmensgruppen abzustimmen. Vor diesem Hintergrund analysiert ein Schwerpunktkapitel des Berichts zunächst die Situation der KMU entlang ihrer zentralen Entwicklungsphasen – von der Gründung bis zur Schließung – und anschließend mit Blick auf wichtige Wirtschaftsbereiche und Branchen.

Illustration von drei Personen, die nebeneinander an einem gemeinsamen Schreibtisch an ihren Computern arbeiten.

Unternehmensphasen im Fokus

Gründungsphase: Im Jahr 2024 wurden in der marktorientierten Wirtschaft rund 37.800 Unternehmen neu gegründet (+0,5 % im Vergleich zu 2023); die Neugründungsquote lag 2024 bei 6,2 % und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 10,5 %. 80 % der Gründungen erfolgen als Ein-Personen-Unternehmen (EPU), die durchschnittliche Beschäftigtenzahl bei Gründung liegt bei 1,3 Personen. EU-weit werden 83 % der Unternehmen als EPU gegründet, die durchschnittliche Beschäftigtenzahl bei Gründung ist mit 1,06 Personen dementsprechend niedriger als in Österreich. Besonders hohe Gründungsquoten verzeichnen hierzulande der Dienstleistungsbereich, Information und Kommunikation sowie der Verkehr.

Wachstumsphase: 46 % der österreichischen KMU gaben 2025 an, in den kommenden Jahren wachsen zu wollen, wobei 18 % ein Wachstum von 10 % oder mehr anstreben. 28 % planen eine Expansion in andere EU-Länder. 2024 gab es 4.070 Wachstumsunternehmen mit rund 228.000 Beschäftigten. Sie machten knapp 10 % aller Arbeitgeberunternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten aus. 215 Gazellen (junge schnellwachsende Unternehmen) beschäftigten rund 8.800 Personen.

Nachfolge und Familienunternehmen: Zwischen 2025 und 2034 stehen rund 52.500 Unternehmen mit mindestens einem unselbstständig Beschäftigten vor einer potenziellen Übergabe – das entspricht 22 % aller Arbeitgeberunternehmen mit etwa 705.000 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2024 fanden fast 7.800 Unternehmensübernahmen statt (2023: rund 7.400). Die Übernahmeintensität, also der Anteil der Unternehmensübernahmen an den aktiven Kammermitgliedern, stieg auf 1,33 % (2023: 1,29 %).

Familienunternehmen im engeren Sinne (ohne EPU) umfassen rund 194.800 Betriebe (32 % der Unternehmen der marktorientierten Wirtschaft) mit rund 2,2 Mio. Beschäftigten (58 %) und einem Umsatz von etwa 580 Mrd. € (56 %).

Schließungsphase: Im Jahr 2024 wurden knapp 32.000 Unternehmen geschlossen; die Schließungsquote von 5,3 % liegt unter der Neugründungsquote von 6,2 %. Im europäischen Vergleich weist Österreich eine niedrige Schließungsrate auf (Durchschnitt 2021–2023: 5,5 % vs. 8,2 % in den EU-27) sowie eine höhere Bestandsdauer: die fünfjährige Überlebensquote beträgt 54 % (EU-27: 46 %).

Branchen im Fokus

Branchenstruktur: Die drei größten Wirtschaftsbereiche, gemessen an der Wertschöpfung, sind die Herstellung von Waren (2023: rund 72 Mrd. € bzw. 24 % der Wertschöpfung der marktorientierten Wirtschaft), der Handel (47 Mrd. € bzw. 16 %) und der Bau (26 Mrd. € bzw. 9 %).

Entwicklung: Zwischen 2024 und 2025 ist die reale Wertschöpfung in vielen Branchen zurückgegangen. Zuwächse erzielten der Handel, der Bereich Information und Kommunikation sowie die Herstellung von Waren. Der Bau sowie die Beherbergung und Gastronomie konnten bislang das reale Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreichen. Der Handel lag 2025 ebenfalls unter diesem Niveau.

Innovation und Digitalisierung: Besonders hohe Innovationsraten (80 %–90 % innovationsaktive Unternehmen) verzeichnen Teile der Sachgütererzeugung (z. B. Elektro/Elektronik, Chemie, Maschinenbau) sowie der Bereich Information und Kommunikation. Hohe Digitalisierungsintensität findet sich ebenfalls im Bereich Information und Kommunikation und wissensintensiven Dienstleistungen, während Bau und Verkehr zu den am wenigsten digitalisierten Branchen zählen.

(Quellen: Statistik Austria, Eurostat, Statisik zur Unternehmensdemografie; Statistik zu schnellwachsenden Unternehmen, Leistungs- und Strukturstatistik, Erhebung über den IKT-Einsatz in Unternehmen; Europäische Kommission, Flash-Eurobarometer 559; WKO, KMU Forschung Austria – Schnellschätzung zu Unternehmensnachfolgen und Abschätzung der Familienunternehmen; WIFO)